Ausstellung

In Frauenhand | In Her Hand

Die Ausstellung «In Frauenhand | In Her Hand» präsentierte Künstlerinnen vom 17. bis zum 21. Jahrhundert. Anhand ausgewählter Werke beleuchteten verschiedene Fokusthemen die gesellschaftlichen Normvorstellungen, mit denen Künstlerinnen während ihrer Ausbildung und ihrer späteren Karriere konfrontiert waren. Die Ausstellung, die vom 5. September bis 6. Dezember 2025 stattfand, zeigte, wie sich Frauen im hart umkämpften Bereich der Kunst und der Fotografie behaupten mussten.

Warum eine Ausstellung zu Künstlerinnen?

Seit einigen Jahren gehören Ausstellungen über Künstlerinnen zum guten Ton der internationalen wie nationalen Museen und Kultureinrichtungen. Insbesondere thematische Präsentationen stecken sich häufig das Ziel, der Unsichtbarkeit von Künstlerinnen und ihrer Werke entgegenzuwirken. Denn seit Beginn der Kunstgeschichtsschreibung wurden viele Künstlerinnen aufgrund der männlich geprägten Sicht auf die Historiografie ausgeklammert und hinter dem Schleier des Vergessens unsichtbar. Bis heute erhalten Künstlerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen eine finanziell geringere Wertschätzung und sind in öffentlichen Kunstsammlungen und im Ausstellungsbetrieb unterrepräsentiert. So war es für die Zentralbibliothek Zürich längst an der Zeit, auch ihre Bestände auf das weibliche Kunstschaffen hin zu befragen und sich in den gesellschaftlichen Diskurs der Gleichstellung der Frau im Kunstbetrieb einzubringen.

Facetten der Ausstellung

Die dreiteilige Ausstellung fand in der Schatzkammer des Predigerchors sowie im Lesesaal des Hauptgebäudes statt. Der erste Teil stellte in der Schatzkammer anhand von Werken aus den eigenen Beständen und von Leihgaben das Kunstschaffen von Frauen aus fünf Jahrhunderten vor. Ein Schlaglicht lag unter anderem auf der Kunstgeschichtsschreibung und der Kunstkritik, die Künstlerinnen totschwiegen oder bestenfalls als Ausnahme von der Regel berücksichtigten. Die Schau thematisierte, welche Faktoren ausschlaggebend sein konnten, ob Künstlerinnen im kollektiven Gedächtnis verankert blieben oder in Vergessenheit gerieten.

  • Vitrine «Gefangen in der Geschichtsschreibung» mit Werken von Susanna Maria von Sandrart und Giorgio Vasari (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Vitrine «Modelle gesucht» mit Werken von Margarete Greulich und Martha Stettler (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Vitrine «Der unbekleidete Körper» mit Werken von Stefanie von Bach, Margarete Greulich (Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich) und Regina de Vries (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Vitrine «Hier bin ich» mit Werken von Elisabeth Pfenninger und Anna Waser (Miniatur links Leihgabe Kunsthaus Zürich; Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Vitrine «Inspiration Illustration» mit Werken von Hanny Fries, Isa Hesse-Rabinovitch, Sita Jucker, Hedwig Thoma und Trudy Wünsche (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)

Im Hinblick auf die Ausbildung bot sich Frauen bei der Suche nach Modellen in erster Linie das häusliche Umfeld an. Der Zugang zu Kunstschulen und Akademien sowie zu deren Infrastruktur war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts einer Mehrzahl der Künstlerinnen verwehrt. Das Aktzeichnen nach dem lebenden Modell unterlag besonderen Restriktionen und wurde nur allmählich gelockert. Weitere Facetten der Ausstellung waren die Selbstrepräsentation, Strategien der Selbstvermarktung, Konzessionen an den Kunstmarkt oder die Etablierung in Nischen wie beispielsweise in der Kinderbuchillustration oder der Gebrauchsgrafik.

  • Anna Waser, Flora, zwischen 1690 und 1700
  • Maria Sibylla Merian, Vigne blanche d’Amerique, in: Metamorphosis Insectorum Surinamensium, Ausgabe 1726 oder 1771, Bildtafel 47
  • Francesco Bartolozzi nach Joshua Reynolds, Porträt von Angelika Kauffmann, 1730
  • Johann Gotthard Müller nach Louise-Élisabeth Vigée-Le Brun, Selbstporträt der Künstlerin, 1785
  • Clementine Stockar-Escher, Nach dem Balle, 1856
  • Anna Susanna Fries, Selbstporträt, 1866, Privatbesitz
  • Ottilie W. Roederstein, Porträt von Hans Nägeli, 1930
  • Sophie Taeuber-Arp, Plastique – Plastic, Buchcover, 1937
  • Rita Ernst, Ohne Titel, 1998
  • Fokusthema «Neue Autonomie für Künstlerinnen» mit Werken von Marguerite Hersberger und Rosina Kuhn (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)

Bekannte Künstlerinnen wie Maria Sibylla Merian, Angelika Kauffmann, Louise-Élisabeth Vigée-Le Brun, Ottilie W. Roederstein oder Sophie Taeuber-Arp traten neben weniger bekannte wie Anna Waser oder Clementine Stockar-Escher. Am Ende des Rundgangs öffnete sich der Horizont auf die neue Autonomie zeitgenössischer Künstlerinnen und auf ihre ausdrucksstarken Werke. Unter ihnen waren Rita Ernst, Marguerite Hersberger und Rosina Kuhn.

Schlusspunkt in der Schatzkammer bildete die Installation Hulda Zwingli des gleichnamigen, anonymen Künstlerinnen-Kollektivs. Die Kunstfigur der Hulda – eine Überblendung der Zwingli-Tochter Regula Gwalther und der Kronenhallenwirtin Hulda Zumsteg – blickte metaphorisch zurück auf fünfhundert Jahre weibliches Kunstschaffen aus den Schätzen der Zentralbibliothek. Verkörpert wurde die Kunstfigur durch das historische Porträt der Regula Gwalther von Hans Asper und durch eine rosarote Brille. Das Kurator*innen-Team – Barbara Dieterich, Jochen Hesse, Anna Lehninger und Alice Robinson – stellte sich in Sachen Gleichstellung mit einem Augenzwinkern der Instanz der Hulda Zwingli.

Installation des Künstlerinnen-Kollektivs Hulda Zwingli (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)

Fotokünstlerinnen

Der zweite Ausstellungsteil im Themenraum Turicensia des Hauptgebäudes war den Fotokünstlerinnen gewidmet. Jochen Hesse präsentierte unter Mitarbeit von Roberto Alliegro, Marco Geissbühler und Işik Gürgen interessante Porträtaufnahmen aus den Nachlässen von Renée Schwarzenbach-Wille sowie von Dora Maria Winternitz-Walter, die unter dem Pseudonym Bettina bekannt wurde. Exponate aus den Bildarchiven des Tages-Anzeigers und der Finanz und Wirtschaft führten in die Welt des Fotojournalismus. Arbeiten bedeutender Fotojournalistinnen, wie Verena Eggmann, Doris Fanconi, Maggy Frijling, Uschi Kurmann, Iris Ritter oder Ruth Vögtlin, visualisierten die Themen Porträt, Sport, Wirtschaft und Fotoreportage.

Die lichtempfindlichen Originalabzüge wurden aufgrund der zu hohen Lux-Zahlen im Lesesaal durch qualitativ hochstehende Reproduktionen ersetzt. Zu vielen der Pressefotografinnen musste Grundsätzliches – wie Lebensdaten, Ausbildung und Werdegang – erst erforscht werden.

  • Fokusthema «Fotokünstlerinnen mit Fotografien» von Renée Schwarzenbach-Wille (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Fokusthema «Fotokünstlerinnen» mit Fotografien von Bettina (geborene Dora Maria Winternitz-Walter) (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Fokusthema «Fotokünstlerinnen» mit Fotografien aus dem Bereich Sport von Doris Fanconi, Uschi Kurmann, Silvia Luckner und Iris C. Ritter (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Fokusthema «Fotokünstlerinnen» mit Fotografien aus dem Bereich Wirtschaft von Yvon Baumann, Silvia Luckner, Sandra Meier und Iris C. Ritter (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)

Künstlerische Interventionen

Künstlerische Interventionen griffen auf den Lesesaal der Zentralbibliothek aus und bildeten den letzten Ausstellungsteil. Im neuen Format stellten drei Künstlerinnen aus verschiedenen Generationen je ein Werk vor und öffneten so unterschiedliche Perspektiven auf unsere Gesellschaft.

  • Künstlerische Intervention von Cornelia Hesse-Honegger, digitalisierte Zeichnung aus der animierten Bildfolge «Untersuchte beobachtete Natur»
  • Künstlerische Intervention von Cornelia Hesse-Honegger, digitalisierte Zeichnung aus der animierten Bildfolge «Untersuchte beobachtete Natur»
  • Künstlerische Intervention von Elisabeth Eberle mit der Installation «Frauen* zählen! Duschvorhang I und II», 2010–2021, Auszug aus ihrem persönlichen Archiv (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Künstlerische Intervention von Hanna Koefle mit der Installation «Das Alte Ist Nicht Gestorben Und Das Neue Nicht Geboren» (Aufnahme: Christiane Schmid / ZB Zürich)

Die Wissenskünstlerin Cornelia Hesse-Honegger, die sich dem Erhalt der Artenvielfalt verschrieben hat, zeigte in der animierten Bildfolge Untersuchte beobachtete Natur digitalisierte Zeichnungen aus dem Zeitraum von 1962 bis 2016. Viele ihrer Arbeiten dokumentieren die Auswirkungen der Radioaktivität, sei es durch atomaren Fallout im Zusammenhang mit Tschernobyl, sei es durch Niedrigstrahlung im Umkreis von Atomreaktoren und Forschungsinstituten. Die durch ihre Ästhetik bestechenden Aquarelle visualisieren in beängstigender Weise Deformationen von Insekten oder der Vegetation.

Elisabeth Eberle präsentierte mit der Installation Frauen* zählen! Duschvorhang I und II, 2010–2021 einen Auszug aus ihrem persönlichen Archiv. Die in jahrelanger Recherche versammelten Dokumente halten im Hinblick auf Ausstellungen, Ankäufe und Pressebeiträge die Unterrepräsentanz von Künstlerinnen fest. Mit negativen Werturteilen von Männern gegenüber kunstschaffenden Frauen legt Eberle den Finger auf den wunden Punkt.

Hanna Koepfle wählte den Treppenaufgang im Lesesaal als Ort für die Installation Das Alte Ist Nicht Gestorben Und Das Neue Nicht Geboren. Das Werk wurde eigens für die Ausstellung geschaffen. Mit zwei vertikal hängenden Leinwänden – dem «Himmel» – und zwei darüber liegenden Matratzen – der «Erde» – schuf die Künstlerin über den Köpfen der Passant*innen einen Raum, der zwischen Erdung und Schwebezustand oszilliert. Der Titel knüpft frei an Antonio Gramscis Gefängnishefte an. Ihre Konzeptkunst bezieht die Künstlerin auf eine Zeit des Dazwischen, die nicht nur bedrohlich Angst und Chaos impliziert, sondern auch kreativ und offen für Wandel sein kann: «In diesem Raum, wo nichts sicher scheint, kann vielleicht etwas Neues beginnen.»

Sichtbarkeit und positives Echo

Den Veranstaltungsreigen eröffnete die Lange Nacht der Museen. Das neue Format der Interventionen im Lesesaal erzielte für die gesamte Ausstellungsdauer eine grosse Sichtbarkeit. Für Aufmerksamkeit sorgte an drei Abenden auch die Präsenz der jeweiligen Künstlerin, die über ihre Intervention und ihr Schaffen berichtete und mit dem Publikum in einen Dialog trat. Die Veranstaltungsreihe wurde von drei Referaten zu spezifischen Künstlerinnen, die in der Ausstellung vertreten waren, sowie durch eine Podiumsdiskussion im Rahmen des Eschertalks ergänzt. Alle Veranstaltungen stiessen auf ein grosses Echo. Die erfreulichen Besprechungen in der Presse, beispielsweise in der NZZ am Sonntag, im St. Galler Tagblatt, in den Zeitungen der AZ-Medien, auf Senioren-Web oder im Kunst-Bulletin, brachten die Ausstellung weiten Kreisen zur Kenntnis. Für Werbung sorgte das Ausstellungsplakat, das an verschiedenen Orten in der Stadt gezeigt wurde. Die Gestaltung mit appellativem Charakter durch Katarina Lang wurde von vielen Besuchenden positiv erwähnt.

Ausstellungsplakat von Katarina Lang am Bellevue in Zürich

Im Gästebuch trugen sich Besuchende aus Alaska, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Hawaii, Kanada, Korea, Japan, Malta, Österreich und selbstredend aus der Schweiz ein. Neben dem Thema an sich stiessen die strukturierte Gliederung und nicht zuletzt die überzeugende Inszenierung durch das Team der Bestandserhaltung und des Digitalisierungszentrums (Kerstin Ebenau, Cornelia Haas, Roger Sutter) auf positive Resonanz. Aus den rund 130 Einträgen seien wenige herausgegriffen:

  • «Gratulation. Eine unglaublich wichtige Ausstellung – gerade für Frauen! Schön, daß man in der Schweiz die Künstlerinnen nicht vergißt und für ihre Sichtbarkeit einen Raum & einen tollen Rahmen geschaffen hat.»

  • «Die schönste, wunderbarste und grossartigste Ausstellung, die ich seit langem gesehen habe. Was für Frauen!!!»

  • «Informative, erhellende Ausstellung, zudem sehr schön gestaltet.»

  • «Nicht auszudenken, wie viele Kunstschätze wir heute noch bewundern dürften, wenn die Frauen nicht systematisch ausgesperrt, verhindert, verleugnet worden wären. Zeit, umzudenken! Danke für die beeindruckende Aufarbeitung und Präsentation.»

  • «Wunderbare Ausstellung – vielen Dank. Toll, dass diese Kunstwerke von Frauen ans Licht kommen. Es gibt noch viel zu tun! Um Frauen und ihr Wirken sichtbar zu machen. Forza für Hulda Zwingli.»

  • «Grossartiges, wichtiges, selbstverständliches Thema, mit Witz + Esprit umgesetzt und gelernt habe ich auch noch etwas!»

  • «Sehr eindrückliche und interessante Ausstellung mit hervorragenden Begleittexten, ganz vorzüglich kuratiert!»

  • «Danke vielmals für die sorgfältige und präzise Zusammenstellung!»

  • «Nötige Ausstellung und wie immer hier, gut gestaltet.»

Statistische Fussnote: Was war und was bleibt

Die Ausstellung präsentierte 211 Objekte von 52 Künstlerinnen und 12 Fotografinnen; darunter befanden sich 24 Leihgaben und 15 Neuankäufe. Die Ergebnisse der Recherchen konnten in einer gedruckten Begleitpublikation publiziert werden, die in einer englischsprachigen Version online über ZOP zugänglich ist. Weitere Informationen und komplementäre Abbildungen stehen in einer visuell attraktiven Online-Ausstellung über die Ausstellungsdauer hinaus dem interessierten Publikum langfristig zur Verfügung. Aus den Mitteln für Ankäufe konnte die Zentralbibliothek am Ende der Ausstellung das Werk von Hanna Koepfle erwerben. Es wird auch zukünftig die Betrachtenden inspirieren. Und was bleibt noch? Die Erinnerung an eine gelungene Ausstellung, die bekannte und unbekannte Künstlerinnen ans Licht holte und mit 3501 Besuchenden die bisher erfolgreichste Schau in der Bibliotheksgeschichte war.

Barbara Dieterich
für das Kurator*innen-Team Graphische Sammlung und Fotoarchiv

Die Bildrechte wurden von den Künstlerinnen und von ihren Nachkommen freundlicherweise für den Jahresberichte 2026 der ZB zur Verfügung gestellt. Trotz umfangreicher Recherchen konnten nicht alle Rechteinhaber*innen ausgeforscht werden. Inhaber*innen von Bildrechten sind gebeten, sich bei Fragen an die ZB zu wenden.