Thema

Öffentliche Räume neu denken

Die Zentralbibliothek Zürich (ZB) entwickelt ihre öffentlichen Flächen weiter, um sie für unterschiedliche Zielgruppen attraktiv zu gestalten. Im Fokus steht ein flexibler, zukunftsfähiger Bibliotheksraum, der Lernen, Begegnung, Austausch und Kultur gleichermassen ermöglicht. Ein nutzendenzentrierter Entwicklungsprozess bildet dafür die Grundlage.

  • Raum für Begegnung: Hier finden Vorträge, Lesungen und gemeinsames Lernen statt. (Bild: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Zusammenarbeit und Austausch darf im «Collab Space» stattfinden. (Bild: Christiane Schmid / ZB Zürich)
  • Sehr begehrt: Die Einzelarbeitsplätze in den oberen Stockwerken. (Bild: Christiane Schmid / ZB Zürich)

Bibliotheken als unverzichtbare öffentliche Räume

In einer zunehmend digitalisierten Welt behalten physische Bibliotheksräume ihre besondere gesellschaftliche Bedeutung. Sie sind öffentlich zugänglich, niederschwellig nutzbar und frei von kommerziellen Interessen. Hier entstehen Orte des gemeinsamen Lernens, der informellen Begegnung und der kulturellen Teilhabe.

Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an Bibliotheken rasant: Sie sind längst mehr als Wissensspeicher. Sie verbinden unterschiedliche Lebensrealitäten und Nutzungsformen miteinander.

Die Raumgestaltung spielt dabei eine zentrale Rolle – sie entscheidet wesentlich darüber, wie inklusiv, lebendig und einladend eine Bibliothek wirkt.

Herausforderungen in der heutigen Nutzungsvielfalt

Der allgemeine Lesesaal der ZB erstreckt sich über drei Etagen mit hoher Aufenthaltsqualität und wird täglich im Durchschnitt von über 1500 genutzt. Vor allem unter Studierenden sind die Einzelarbeitsplätze sehr begehrt, insbesondere zu Prüfungszeiten. Zunehmend steigt bei ihnen auch der Bedarf an Gruppenarbeitsplätzen. Gleichzeitig wollen wir auch für andere Besuchergruppen aus Stadt und Kanton Zürich, welche die ZB für kulturelle Angebote, zur Weiterbildung, Freizeitnutzung oder Recherchen nutzen, attraktiv sein und das vielseitige bibliothekarische Angebot noch besser sichtbar machen. Daher soll der Lesesaal flexibler gestaltet werden für unterschiedliche Formen des Lernens und als offener Raum für Begegnung und Austausch.

Ein Raumkonzept für unterschiedliche Bedürfnisse

Vor diesem Hintergrund entwickelt die ZB ein Raumkonzept, das die zukünftige Gestaltung ihrer öffentlichen Bereiche klar ausrichtet.

Ziel ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen ruhigem Lernen, informellem Arbeiten und öffentlicher Aufenthaltsnutzung zu schaffen.

Im Fokus stehen die Etagen Erdgeschoss bis und mit 3. Obergeschoss sowie angrenzende Räume und Übergänge.
Das Konzept definiert folgende Leitlinien:

  • Vielfalt ermöglichen: Räume sollen mehrere Nutzungsformen zulassen und sich flexibel anpassen lassen.

  • Aufenthaltsqualität erhöhen: Ergonomie, Licht, Akustik und Atmosphäre werden systematisch mitgedacht.

  • Soziale und kulturelle Teilhabe fördern: Die Räume stärken Begegnung und laden die Öffentlichkeit ein.

  • Vielfältige Lernformen ermöglichen: Die Räume unterstützen sowohl ruhiges Arbeiten als auch dialogisches und kollaboratives Lernen.

  • Barrierefreiheit und Zugänglichkeit sicherstellen: Die Räume sollen für alle nutzbar sein.

Erste Erfahrungen: Flexible und niederschwellige Raumangebote

Wie solche Räume konkret aussehen können, zeigt ein Blick in das Erdgeschoss (P0). Dort wurden als erste konkrete Umsetzungsschritte exemplarisch Bereiche geschaffen, die unterschiedliche Nutzungen zulassen: ein Collab Space, in dem Zusammenarbeit flexibel möglich ist, sowie ein weiterer Bereich, der bewusst offen konzipiert wurde – für Gruppenarbeiten, Workshops, informelles Arbeiten oder Veranstaltungen unterschiedlicher Grössen.

Diese Pilotflächen zeigen anschaulich, wie ein Raumkonzept umgesetzt werden könnte, und dienen testeshalber als Ausgangspunkt für die weiteren Etagen, welche einen unterschiedlichen Fokus haben werden. Besucher*innen erleben hier die Bibliothek als lebendigen, vielfältig nutzbaren Ort: Studierende arbeiten konzentriert an Einzelplätzen, während an anderer Stelle kleine Diskussionsgruppen, Workshops oder eine Lesung stattfinden.

Die Weiterentwicklung erfolgt nutzer*innenzentriert und schrittweise. So entstehen Räume, die sowohl funktional als auch an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet sind.

Denise Wolf
Raum- und Produktentwicklung

Katharina Bruns
Bereichsleitung Benutzung