Portrait

Wo Wissen in Bewegung ist: Zoë Genhart und die Vielfalt im Arbeitsalltag

Wenn Zoë Genhart ihren Arbeitsalltag in der Zentralbibliothek Zürich (ZB) in wenigen Worten beschreiben müsste, wären es vielseitig, bereichernd und immer wieder überraschend. Und das, wie sich zeigen wird, aus gutem Grund.

Zoë Genhart im Obergeschoss des grossen Lesesaals. (Bild: Christiane Schmid / ZB Zürich)

Zoë ist 34 und absolviert seit Juni 2025 ihren Master of Advanced Studies (MAS) in Bibliotheks- und Informationswissenschaft der von der ZB in Kooperation mit der Universität Zürich angeboten wird. Inzwischen ist sie schon ein Jahr bei uns unterwegs und erhielt bereits in viele Abteilungen Einblick.

Vor ihrem MAS setzte sie sich während eines Studiums in Freier Kunst und Vermittlung an der Hochschule Luzern mit der künstlerischen Praxis auseinander und tauchte anschliessend im Anglistik- und Kulturanalyse-Studium an der Universität Zürich in die Geisteswissenschaften ein. Während ihres Studiums arbeitete sie durchgehend in den Nutzendendiensten der Universitätsbibliothek Recht. Nach ihrem Masterabschluss wollte sie gern die verschiedenen Bereiche miteinander verbinden – das heisst (kultur)vermittelnd und (geistes)wissenschaftlich in einer Bibliothek arbeiten. Dazu bot sich der berufsbegleitende MAS-Studiengang und die begleitende Ausbildungsstelle an der ZB ideal an. Hier erhält sie Einblick in verschiedene Berufsfelder einer grossen Bibliothek, sodass sie später ihre Berufswahl im Bibliotheksumfeld treffen kann. Seit sie ein Kind war, sind Bibliotheken für Zoë ein Wohlfühl-Ort. Als Person, die schon ihr Leben lang gern lernt, gefällt ihr besonders, dass dort auch Wissen gesammelt wird.

Seit sie ein Kind war, sind Bibliotheken für Zoë ein Wohlfühl-Ort. Als Person, die schon ihr Leben lang gern lernt, gefällt ihr besonders, dass dort auch Wissen gesammelt wird.

Mit der ZB verband sie lange Zeit vor allem eines: Bücher ausleihen. Auch als Studentin nutzte sie die Bibliothek regelmässig. Wie viel Arbeit im Hintergrund geleistet wird, wie viele unterschiedliche Tätigkeiten es gibt und wie viele Menschen hier arbeiten, wurde ihr erst bewusst, als sie selbst Teil der ZB wurde.

Seit Zoë hier arbeitet, hat sich ihr Blick auf die ZB grundlegend verändert. Zum Zeitpunkt des Interviews findet man sie bei der Innovation und im ZB Lab, wo sie lernt, dass in einer Bibliothek auch viel auf konzeptioneller und struktureller Ebene passiert. Es werden Plattformen entwickelt, neue Arbeitsmodelle erprobt, Prozesse neu gedacht.

Ihr Arbeitsalltag ist stark von den wechselnden Einsätzen geprägt. Das Konstanteste daran ist wohl die Mittagspause, sagt sie. Seit dem gemeinsamen Start verbringt Zoë diese meist mit der zweiten MAS-Praktikantin Heather Wunderlin. Sie nutzen die Pausen für Austausch, Fragen wie «Was kommt als Nächstes auf uns zu?» und für das Gefühl, nicht allein unterwegs zu sein. Ansonsten ist jeder Einsatz anders. In manchen Abteilungen beginnt der Arbeitstag bereits früh am Morgen, in anderen arbeitet man bis in den Abend. Einige Tätigkeiten sind stark ans Pult gebunden, andere führen sie aus dem Haus hinaus, zum Beispiel nach Oetwil am See ins Aussenlager oder in die Bibliothek Schlag beim Rigiplatz. Zoë findet: « Am besten kommen mit dieser Vielfalt Personen zurecht, die offen sind und keine vorgefassten Vorstellungen haben». Anfangs sei das Wechseln anstrengend gewesen, inzwischen habe sie sich daran gewöhnt. Besonders schätzt sie, dass sie immer wieder neue Menschen kennenlernt und erlebt, wie unterschiedlich die Abteilungen arbeiten.

Besonders schätzt sie, dass sie immer wieder neue Menschen kennenlernt und erlebt, wie unterschiedlich die Abteilungen arbeiten.

Überrascht hat Zoë in ihrer bisherigen Zeit an der ZB vor allem, welche unerwarteten Schätze es besonders in den Spezialsammlungen gibt, und die Vielfalt der Objekte, welche die ZB für die Nachwelt aufbewahrt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Zeit beim Hausdienst, in der sie Orte innerhalb der ZB entdecken durfte, die viele Besuchende und auch die meisten Mitarbeitenden nie zu sehen bekommen. Generell hebt sie die Freundlichkeit der Arbeitskolleg*innen hervor. Zudem schätzt sie sehr, mit welcher Offenheit man sie an Vielem teilhaben lässt: etwa an der Kaderkonferenz oder der anschliessenden Ausarbeitung der Führungsgrundsätze.

Mit Blick auf die kommenden Monate freut sich Zoë besonders auf ihre längeren Einsätze in den Spezialsammlungen, von denen sie sich eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Sonderbeständen der ZB verspricht.

Einen Ausgleich zu Arbeit und Studium findet Zoë vor allem im Tanzen. Ob man das tatsächlich als erholsamer Ausgleich bezeichnen könne, sei fraglich, sagt sie lachend. Aber die Kombination aus körperlicher Bewegung und dem Erlernen von Choreografien empfindet sie als eine immer wieder aufs Neue bereichernde Erfahrung. Entspannung findet sie zuhause mit ihren Katzen auf dem Sofa. Das kreative Arbeiten mit den Händen kommt bei ihr im Moment leider etwas zu kurz. Gerne würde sie auch wieder mehr lesen, aktuell schaut sie jedoch häufiger Serien mit Freund*innen oder hört Hörbücher.

Aufgezeichnet von Lara Janke
Mitarbeiterin Marketing und Kommunikation